Bericht von einem Ort der Veränderung

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Vital Banywesize Mukuza stellte sein Buck über das Ausbildungszentrum CAPA vor. Im Hintergrund: Pfarrer Martin Domke. FOTO: quickelsfoto

Es war ein nicht geplantes Zusammentreffen. Der Bischof von Wakefield, Stephan Platten war zu Besuch im Kirchenkreis, um die Partnerschaft mit Wakefield in England neu zu beleben. Zeitgleich kam Vital Banywesize Mukuza aus Bukavu in Herne an. Er ist Direktor eines der interessantesten Ausbildungsinstitute in Afrika. Es wird von unserem Partnerkirchenkreis getragen. CAPA ist der allgemein verwendete Name, er steht für „Centre d’Aprentissage Professionel et Artisanal“, auf Deutsch Ausbildungszentrum für Handwerk und Beruf.

Obwohl sie sich bis dahin nicht kannten, hielt Vital eine herzliche Rede und überreichte dem Bischof eine Aktentasche aus Leder, hergestellt im CAPA. „Der Freund meines Freundes ist auch mein Freund“, sagte er – und so wurden beide noch am selben Abend Freunde. Zufall oder nicht: der englische Bischof spricht auch etwas Französisch. Partnerschaft mal ganz anders. Ganz herzlich und ganz praktisch.

Vital leitet das CAPA schon seit 10 Jahren. Er ist jung und unglaublich neugierig. Er weiß um seine Position, aber lässt keinen Zweifel daran, dass alle Fortschritte im CAPA nur gemeinsam mit allen Verantwortlichen erreicht wurden. Er versteht sich als richtungweisender Moderator. Weil er von Anfang an klar in seiner Zielsetzung, hartnäckig in allen Konflikten und respektvoll im Umgang mit seinen Mitarbeitenden, aber auch mit seinen Gegnern war, konnte er durchsetzen, was er für richtig hielt: Junge Leute auszubilden, damit sie auf eigenen Füßen stehen. Menschen ihre Würde (wieder) zu geben und nicht einfach nur helfen. Korruption zu bekämpfen, wo immer es geht. Transparenz und Mut für alle zu zeigen und vorzuleben. Vital ist in der Tat eine Ausnahmeerscheinung.

Das CAPA wurde damals unter anderem mit Hilfe des Kirchenkreises Herne gegründet. Damals, das war 1985. Ein klassisches Ausbildungszentrum, wie es sie zu Tausenden in den Ländern des Südens gibt. Mechaniker, Schreiner, Schneiderinnen, Ausbildung drei Jahre - und dann?

Hier setzte CAPA an. Bildete die jungen Leute kürzer aus, nur einige Monate, und dann immer wieder, eine, zwei, vier Wochen im Jahr. Fort- und Weiterbildung. Dann verdienen sich die Menschen schon etwas und gehen doch immer wieder zur Verbesserung ihres Handwerks ins CAPA.

Heute ist CAPA in 49 beruflichen Ausbildungsgängen aktiv. Gitarrenherstellung, Druckerei, Lederverarbeitung, Matrosenausbildung für die großen und gefährlichen Seen, auf denen Jahr für Jahr Hunderte Menschen ertrinken. Das sind nur einige Beispiele, aber allein das ist alles schon einzigartig.

Man bildet dort auch ehemalige Kindersoldaten, vergewaltigte Frauen und Mädchen aus, HIV/Aids-Waisen, Straßenkinder und andere marginalisierte Gruppen. Jede und Jeden nach seinen Fähigkeiten. Die schwer traumatisierten jungen Leute erleben zum ersten Mal nach all den schlimmen Ereignissen, dass sie ernst genommen werden, dass sich wirklich jemand ihrer annimmt und ihnen Mut macht. Sie begleitet und Geduld hat, wenn die Seele nicht mitkommt oder die Trauer sie überwältigt. Hoffnung keimt auf, und die Erfolgsquote bei den Abschlüssen liegt bei abenteuerlichen 90 Prozent. Von ihnen sind fast 80 Prozent in der Lage, sich selbst und manchmal schon ihre kleinen Familien zu ernähren. CAPA ist einzigartig. Es ist kein Projekt mehr. Obwohl noch immer mit viel Geld aus Deutschland getragen, ist es längst eine Institution geworden. Mitten im Krieg, mitten im Chaos, und mitten in einer zerstörten Gesellschaft – ein Ort der Entwicklung.

Vital war zum ersten Mal in Deutschland. Seine Reise begann in Herne und Castrop-Rauxel. Im Kirchenkreis hat er über seine Arbeit berichtet, auf der Synode und im Gottesdienst in Eickel, schließlich beim Fachgespräch im Eine Welt Zentrum. Er hat ein Buch geschrieben. Das hat er hier vorgestellt. Es handelt von der Geschichte des CAPA, die auch seine Geschichte ist. Bescheiden tritt er auf, aber immer klar. Gerne signiert er die Exemplare und freut sich, wenn sein Buch wieder in neue Hände übergeht.

Dann ging es nach Bonn, zum Evangelischen Entwicklungsdienst. Andere Organisationen waren eingeladen. Sie hörten genau zu. Manche überlegen, ob sie dem Vorbild des CAPA nicht folgen müssen. Das ist ein großer Erfolg. Einige Tage später in Berlin, bei zwei Bundestagsabgeordneten: Hochqualifizierte Gespräche über Ausbildung unter instabilen Verhältnissen. Davon kann Vital etwas erzählen. Im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, das wird schnell klar, interessiert man sich für dieses einzigartige Modell.

Wenn Menschen aus Herne und Castrop-Rauxel nach Bukavu kommen, werden sie immer das CAPA zu sehen bekommen. Es ist ein Ort der Begegnung und der Veränderung. Man geht anders dort weg als man hergekommen ist. Das gilt freilich auch für Vital und seinen Deutschland-Besuch. Es hat ihn verändert. Am Tag nach dem Viertelfinalspiel gegen Argentinien bekam ich von ihm einen Anruf: „Wir (!) haben gewonnen, 4:0, unglaublich“. In seinem Fall gilt dies eben nicht nur für den Fußball.