Nachruf auf unsere Kollegin Gabi Stückemann

Wir sind als Team des Eine Welt Zentrums Herne unendlich traurig und tief betroffen vom Tod unserer langjährigen Kollegin Gabi Stückemann, die am 14. Juli im Alter von nur 58 Jahren verstorben ist.
Sie war von 1998 bis 2011 als Pfarrerin im Entsendungsdienst in unserem Zentrum. In der Zeit hat sie das Eine Welt Zentrum im Bündnisrat von erlassjahr.de vertreten und dort die bundesweite Arbeit wesentlich mitgeprägt. Auch im Lenkungskreis, dem Vorstand war sie viele Jahre aktiv. Daneben hat sie sich in der Arbeit für den Weltgebetstag der Frauen und im Frauenausschuss unseres Kirchenkreises stark engagiert.
Gabi war eine der Säulen unserer Arbeit, nicht nur durch ihre im Laufe der Jahre erworbene Kompetenz in den genannten Bereichen, sondern auch durch ihre aufmerksame Mitarbeit in allen unseren Belangen. Aufmerksam meint, dass sie mit uns allen oft im Stillen und doch mit großer Klarheit Gespräche führte, durch ihre klugen und nie verletzenden Nachfragen Dinge ans Licht brachte, die wir im Alltag leicht übersahen. Unaufdringlich hat sie Kritik geübt, mit einem weiten Herz und konstruktiv, weil sie sich selbst nicht ausnahm und ihrerseits offen und dankbar für Anfragen und Hinweise war.
So hat sie auch beim Wechsel der Geschäftsführung im Jahr 2002 zum Neuanfang und der Neuausrichtung unserer Arbeit in entscheidender Weise beigetragen. Ihre Aufgabe zum Aufbau der Erlassjahrarbeit in unserer Landeskirche hat sie mit großem Sachverstand und Zielstrebigkeit wahrgenommen. Ihr Herz hing zugleich an den Menschen in Gemeinden vor Ort, denen sie mit großer Hochachtung begegnete und die sie zugleich auf besagte freundliche Weise und durchaus kritisch beriet.
Sie hatte zwar keine Ausbildung zur Beraterin wie so viele andere und war doch, was Beratung von Menschen und Strukturen anging, die erste Anlaufstelle für uns. Ihre Achtsamkeit und ihr wacher Blick für alles, was nicht zuletzt hinter den Kulissen geschah, waren wohltuend und herausfordernd zugleich, sie war mit ihrer „Herzensbildung“ auf außergewöhnliche Weise präsent.
Das zeigte sich auch in ihrer Hinwendung zur Frauenarbeit. Nicht nur im Frauenausschuss des Kirchenkreises, sondern auch in der Aufgabe, den Weltgebetstag der Frauen in den Gemeinden zu verankern. Viele werden sich an diesen Dienst gerne erinnern.
Klar, dass wir sie 2011 nur unter großem Protest und schweren Herzens ziehen ließen, als sie wusste, dass ihre neue Aufgabe in der Krankenhausseelsorge lag. Auch in dieser Neuausrichtung ist sie sich in den Jahren ihrer Arbeit in Wanne-Eickel treu geblieben, ohne den Kontakt zu uns zu verlieren.
In allem hatte sie ein äußerst sensibles Gespür für leere Phrasendrescherei und theologische Hohlräume egal welcher Art. Da konnte sie sogar leicht zynisch werden, aber sie brachte doch die Aufgaben heutiger Theologie in einer zunehmend säkularen Gesellschaft so klar auf den Punkt, dass es für Gesprächspartnerinnen und -partner eine ständige Herausforderung war.
So bleibt uns in aller Trauer und Verstörung über ihren viel zu frühen Tod die Gewissheit, dass wir durch sie an einem Augenblick jener Ewigkeit teilhaben durften, von der immer in der Zukunft geredet wird, die aber eben, wie bei Gabi, mitten unter uns ist, bruchstückhaft und dennoch voller Leben.
Danke, Gabi, für alles!
Für das Team des Eine Welt Zentrums: Martin Domke