heute zum Bedingungslosen Grundeinkommen und der Floskel: Dann arbeitet doch keiner mehr!

Es ist doch erheblich stärker in der Diskussion als ich dachte. Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE)stößt freilich überall auf Reflexe von Ablehnung, gute Argumente haben es da schwer, ich würde das mal den Populismus des Wirtschaftssystems nennen. Fast immer wird dem Argument gehuldigt: „Dann geht ja keiner mehr arbeiten! Dann bezahlen wir für die Faulheit von Leuten, die auf Arbeit lieber verzichten. Und keiner macht mehr die prekären Sachen wie Toilettenreinigen, Pakete ausfahren, ganz zu schweigen von denen, die auf dem Arbeiterstrich versuchen, sich über Wasser zu halten.“

Wie gesagt, die Diskussion um das BGE rührt an die Grundlagen unserer Staats- und Gesellschaftsordnung. Und doch kommt sie gerade in der großen Krise der Pandemie wieder an die Oberfläche. Das ist nicht zufällig, denn auf die Frage, wie wir die Folgen der Lockdowns mit ihren immensen Konsequenzen abfangen wollen, haben weder Wirtschaftswissenschaftler noch Soziologen geschweige denn die Politik auch nur den Schleier einer Ahnung geschweige denn eine Antwort. Jedenfalls nichts außer den üblichen Mechanismen Sparen (zu Lasten der Armen) oder Steuererhöhung (zu Lasten der Armen) oder Einschränkung der Sozialleistungen (zu Lasten wessen nochmal?)

Ein BGE würde zumindest die schlimmsten sozialen Verwerfungen abfangen, es böte die Chance, dass Menschen sich die Arbeit aussuchen, die ihnen liegt und es würde sofort das unselige Hartz IV-System überflüssig machen und echte Anreize zu Arbeit schaffen. Die Arbeit wieder dem Menschen entsprechend gestalten, den Menschen durch ihre Arbeit viel leichter Sinn verschaffen. Liebe Sozis, da war doch mal was? Oder warum seid Ihr so stur dagegen?

Die meisten Menschen in Deutschland (über 90%) sagen übrigens, dass sie im Falle eines angemessenen Grundeinkommens in jedem Fall arbeiten würden. Wenn man sie aber fragt, ob andere das auch machen würden, antworten 60% mit „Nein“. Das ist die Schere in unserem Kopf – und in den Köpfen der Entscheidungsträger*innen: Was wir für uns selbst in Anspruch nehmen, sprechen wir anderen ab. Übrigens arbeiten zur Zeit mehr als eine Millionen Menschen unter Hartz IV, ohne dass es zum Leben für sie reicht. 

Arbeitslose sind nur zu faul, das ist das gängige Schema, das in CDU und SPD, Grünen und vor allem natürlich der FDP als unausgesprochene (zum Teil natürlich empört zurückgewiesene) These dem elenden Sozialsystem der Stütze zugrunde liegt. Wie sonst lässt sich ein derart perfides System erklären, das Menschen, die arbeiten, 80% ihres Lohns wegnimmt, wenn sie Hartz-IV-Empfänger sind? Die Betroffenen haben alle ihre Geschichten, und natürlich sind es nicht alles harmlose Zeitgenoss*innen, die in dieser Abhängigkeit stehen. Aber nicht nur sie, sondern auch die anderen, die gar nicht arbeiten können und dennoch mit bewusst falsch gerechneten Mindestsummen allein für Lebensmittel auskommen sollen, haben eben alle ihren eigenen Werdegang, die allermeisten wollen arbeiten und Teil der Gesellschaft sein.

Und das, behaupte ich jetzt mal, geht schlicht nur mit dem BGE. Es geht um die Würde der Menschen, die immer ärmer werden. Reiche brauchen sich in dieser Hinsicht ja nicht wirklich zu sorgen, sondern müssen mit ihrer konstanten Weigerung, alle am Leben teilhaben zu lassen, am Ende dastehen.

Leistung muss sich wieder lohnen – das ist genau der Punkt. Nicht für Mittelständler, erst recht nicht für die Millionäre und Milliardärinnen, die können sich niemals nur auf ihre Leistung berufen, sie hatten finanziell eben ein wenig mehr Glück, mehr nicht. Leistung muss sich für Menschen lohnen, die von dieser Leistung ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Es geht immer um das gemeinsame Leben.

Ja, ja, ich weiß, Neiddebatte und so. Ist es aber gar nicht. Ich habe keinen Grund neidisch zu sein. Aber allen Grund anzunehmen, dass das BGE eine Utopie bleibt, obwohl es so leicht umzusetzen wäre. Unsere Gesellschaft sei noch längst nicht so weit, schrieb gerade ein Kolumnist. Und wenn es um die Finanzierung geht, dann ist endgültig Schluss mit lustig, oder? Mehr dazu später einmal (vielleicht).

Der Satz des Jakob liest sich irgendwie wie ein gelungener Kommentar zu dem Allen:

Geh und sieh nach, ob es deinen Brüdern und Schwestern und dem Vieh gutgeht. Na dann!

Jakob sprach zu Josef:  Geh hin und sieh, ob's gut steht um deine Brüder und um das Vieh. 1. Mose 37,14

Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient. Philipper 2,4

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